Es war einmal ein kleiner Junge mit dem schönen Namen Moritz (den er übrigens als Kind gar nicht so schön fand). Das Haus, in dem er mit seinen Eltern lebte, hatte einen idyllischen Garten mit Obstbäumen und einem Goldfischteich. Dort erlebte er jeden Tag spannende Abenteuer – so erzählt man ihm. Denn die Erinnerungen daran sind mittlerweile verblasst und Fotos aus dieser Zeit Mangelware. Da gibt es keine Bilder von dem vergeblichen Versuch, mit seiner Mama die eingefrorenen Goldfische in der warmen Badewanne wieder zum Leben zu erwecken oder von dem stolzen Gesicht des kleinen Moritz, der die ersten Meter auf seinem knallorangen Kinderfahrrad allein zurückgelegt hat (nachdem sein Papa ganz unbemerkt den Besenstiel aus der Halterung am Sattel entfernt hatte).

Viel würde ich heute für ein schönes Familienfoto mit Papa, Mama und meinem großen Bruder aus der damaligen Zeit geben. Wie wertvoll solche Erinnerungen sind, zeigen mir die wenigen, an zehn Fingern abzählbaren, Fotos meiner Kindheit.

Vielleicht habe ich auch deswegen meine Passion für die Babyfotografie, Kinderfotografie und Familienfotografie entwickelt. Einzigartige Momente in Bildern einzufangen und so als Erinnerung zu bewahren, macht mich nicht nur glücklich, sondern auch ein wenig stolz.

Gern würde ich hier erzählen, dass ich schon in meiner Jugend ein begeisterter Fotograf war, doch meine erste „richtige Kamera“ habe ich zu meinem 41. Geburtstag von meiner Mutter geschenkt bekommen. Daraufhin war kein Motiv mehr vor mir sicher.

Seitdem habe ich viele Workshops besucht, zahlreiche Trainings absolviert und über 100.000 Fotos geschossen (ok, ich gebe zu, das wäre zu Zeiten der Analogfotografie beeindruckender gewesen). Schnell fand ich heraus, dass es Gesichter sind, die mich wirklich faszinieren. Und so entsteht heute kaum noch ein Foto, auf dem nicht der Mensch im Mittelpunkt steht, wenn Moritz Obst als Fotograf unterwegs ist 🙂

Ich bin übrigens staatlich qualifizierter Tagesvater und habe drei Jahre lang fünf Kinder im Alter von neun Monaten bis zu drei Jahren bei mir zu Hause ganztägig betreut. Das war eine unglaublich schöne, spannende und gleichzeitig herausforderungsvolle Zeit, in der ich viel gelernt habe. Heute bin ich froh, dass ich meine Liebe zu Kindern und meine Liebe zur Fotografie miteinander verbinden kann.